1 Jahr in Thailand

Ich bin angekommen und doch immer noch oft mit meinen Gedanken in meinem frühreren Leben in der Schweiz. Über Billy habe ich, als wir noch im Gäbelbach lebten, oft gesagt, dass er zwischen zwei Welten lebt, nirgends wirklich zu Hause ist. Mittlerweile geht es mir so.

 

Ich habe mich an vieles gewöhnt, aber einiges ist für mich immer noch schwierig. Da ist alles, was da rund ums und im Haus kreucht und fleucht: Mücken, Kakerlaken, Mäuse, Frösche, Käfer, Hornissen, Tausenfüssler, Ameisen (in den verschiedensten Arten), Kobras, Geckos, usw. Gestern morgen hat mich eine Spinne in der Dusche begrüsst - sie hatte es sich an meinem Duschvorhang bequem gemacht... Ja, in der Schweiz hat es auf dem Land einige dieser Lebewesen auch, aber als ehemaliger Stadtmensch bin ich sie nicht gewohnt.

 

Mit dem Essen habe ich mich arrangiert. Ich mag thailändisches Essen, habe mich ja bereits in der Schweiz zum Teil so ernährt. Und doch vermisse ich manchmal ein paar Schweizer Köstlichkeiten und sei es auch nur ein einfaches «Kaffee complet». Gestern habe ich wieder mal Brötchen gebacken und am Abend gab's dann Kabissalat dazu.

 

Finanziell ist meine Situation schlechter als ich sie mir wünschte. Schuld sind die Investitionen: Die diversen (Um-)Bauten rund ums Haus und auf Billys Land, der Beitrag für Billys Schweinezucht und allen voran natürlich das Auto und der Töff. Es ist nicht besorgniserregend, aber das «Polster» ist nich mehr so gross. Mein monatliches Budget hat sich zwar als realistisch heraushestellt und ich habe es noch nie überzogen, aber eigentlich hoffte ich, dass etwas mehr übrig bleibt. Billy kann leider noch keinen Beitrag zum Lebensunterhalt leisten, da die diversen Projekte, die er hat, bisher noch nichts abwerfen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob sie es je werden...

 

Gesundheitlich war es im Grossen und Ganzen ein gutes Jahr für mich. Ab und zu schmerzt das Knie, meine chronischen Schmerzen in der Steissbeingegend machen sich bei längerem sitzen bemerkbar und ich hatte mehrmals starken Husten. Aber alles Bagatellen. Die Krankenkasse, die ich seit dem Frühling habe, musste ich jedenfalls noch nie in Anspruch nehmen. Bei der Kasse habe ich auch kein besonders gutes Gefühl, sind doch sämtliche Unterlagen nur in thailändischer Sprache. Die Offerte war auf Englisch möglich, bei allen weiteren Dokumente sei dies angeblich aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Die Unfallversicherung habe ich gerade erneuert - die Prämie stieg um mehr als 10%. Eine Erhöhung sei alle 5 Jahre (mit 61, 66, 71, usw.) normal, meinte meine Ansprechperson auf Anfrage. Ich werde abklären, ob ich die Unfallversicherung wirklich benötige, denn in Thailand wird ja eigentlich nicht zwischen Krankheit und Unfall unterschieden und die Krankenkasse müsste auch bei einem Unfall zahlen.

 

Der administrative Aufwand rund um das Visum ist auch nervig. Alle 3 Monate muss ich ins rund 90 Km entfernte Nakhon Si Thammarat und mir von der Immigration ein neues Papier in den Pass heften lassen. Dafür muss ich natürlich vorher ein Formular ausfüllen. Anfang Januar ist dann die Verlängerung des Jahresvisums fällig - offenbar das gleiche Theater wie bei der Erstaustellung. Ich fühle mich hier nicht wirklich willkommen, nur geduldet.

 

Meine beiden grössten Probleme sind aber wohl die Sprache und die Abhängigkeit von Billy. Ich weiss nicht, ob es mir jemals gelingen wird, Thai zu verstehen und zu sprechen, auch wenn ich dauernd Wörter dazulerne. Ich habe zwar das Angebot, mich bei Annette und Rolf auf Samui an einem Sprachkurs zu beteiligen, aber einerseits wäre der logistische und finanzielle Aufwand hoch und andererseits ist mir Sebastian, der den Kurs durchführen würde, etwas schräg eingefahren.

 

Die Abhängigkeit von Billy hat nicht nur mit der Sprache zu tun. Gestern Abend kam Billy wieder ziemlich spät von der Arbeit auf seinem Land zurück. Ich war alleine im Haus und dauernd hörte ich irgendwelche Geräusche im oder ums Haus und ich fühlte mich nicht besonders wohl. Der Gedanke, einmal länger als ein paar Stunden alleine im Haus zu sein, macht mir immer noch Angst.

 

Meine Billanz fällt wohl etwas düsterer aus, als die bisherigen Blogbeiträge vermuten liessen. Ich hoffe trotz allem, dass ich es packe und doch noch wirklich glücklich werde in meiner neuen Wahlheimat Thailand.